Im Sommer 1910, während der alljährlichen Sommerferien des französischen Landadels an der Normandieküste, geschieht etwas Seltsames: Das spurlose Verschwinden zahlreicher Sommerfrischler ruft das bizarre Polizistenduo Böswald und Blading auf den Plan. Schnell deuten die Zeichen auf den Fischer Rohbrecht. Mit seinem kantigen Sohn Ma Loute (zu deutsch:Lümmel) verdient er sich ein Zubrot, indem er wohlhabende Touristen über die ewigen Gewässer befördert. Bei einer solchen Fahrt kommt es zum Unerhörten, Ma Loute und die schöne Billie van Peteghem verlieben sich ineinander. Das ist unerhört! Als dann auch Billie verschwindet, wird schnell vermutet, dass die Rohbrechts nicht nur Muscheln, sondern auch Menschen sammeln… Der neue Film von Bruno Dumont liefert Slapstick vom Feinsten: Die drei Mitglieder der Familie van Peteghem sind reich, verstört und exzentrisch. Sie scheinen gerade erst das Gehen und Sprechen zu lernen. In ihrer alljährlichen Sommerfrische leben sie das voll aus. Als am nahegelegenen Strand, der mit mindestens genauso abenteuerlichen Figuren bevölkert ist, immer mehr Menschen verschwinden, muss die Polizei her. Nur erinnern die beiden Ermittler mehr an Schulze und Schultze aus Tintin… Inspektor Machin (zu deutsch: Dingsbums) ist sehr rund und rollt die Dünen lieber gleich hinunter. Sein dünnes Gegenstück Inspektor Malfoy ist dafür der nicht sehr intelligente Gegenpart. Dumont hat hier einen nicht abreißenden Strom an Slapstick parat. Er verliert dabei im Laufe des Filmes sehenden Auges und mit großem Elan die Bodenhaftung. Die sozialen Milieus, die er skizziert, sind Parodien, die eher nicht mit tatsächlichen Milieus von 1910 zusammenhängen.

Für die beiden Dramen „Flandres“ (2006) und „L´Humanité“ (1999) gewann der Regisseur Bruno Dumont jeweils den großen Preis der Jury in Cannes. Zur Auszeichnung hat es diesmal nicht gelangt, dafür wählten die „Cahier du Cinéma“ den Film in die fünf besten französischen Filme des Jahres 2016.

Eine köstliche Komödie über eine Gesellschaft am Rande einer irre gewordenen Ratio. In grandiosen Bildern einer paradiesischen Meereslandschaft gelingt eine bissige Satire, grotesk, surreal, exzentrisch und – sehr menschlich.
Zusammengestellt von Kilian Schmidt
Quellen: Verleihinfo, kino-zeit.de (Joachim Kurz), kino.de, critic.de (Frédéric Jaeger)