»Berberian Sound Studio« spielt Mitte der 70er Jahre. Der britische Toningenieur Gilderoy kommt nach Italien, um in einem Tonstudio den Sound für den neuesten Santini-Film zu konzipieren. Was der schüchterne Naturfilmer nicht ahnt, ist, dass es sich bei der Produktion um einen Horrorfilm handelt. Die schmuddelige Atmosphäre des Studios, die exzentrischen Mitarbeiter und nicht zuletzt der Film, für den er passende Geräusche kreieren soll, bringen ihn zunehmend aus dem psychischen Gleichgewicht.

Wenn man den Film mit nur einem Wort beurteilen dürfte, dann müsste man schreiben: genial. Peter Strickland gelingt es, Beklemmung, unterschwelligen Humor und den typischen Schmuddeltouch der italienischen Horrorfilme der 70er Jahre auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. All dies zusammen ergibt eine überaus originelle Hommage an das italienische Horrorkino, dessen Hochphase die 60er und 70er Jahre waren und vor allem von den Werken Mario Bavas und Dario Argentos geprägt wurde.

Die Ära des italienischen Horrorfilms stellt eine besondere Phase innerhalb der Filmgeschichte dar. Es entstanden mit Filmen wie »Die Stunde, wenn Dracula kommt« (1960), »Der Dämon und die Jungfrau« (1963), »Profondo Rosso« (1975) oder »Suspiria« (1977) Werke, die hochgradige Kunst mit Trash verbanden und in Sachen Erotik und Ekeleffekte Tabus brachen, wobei sie zugleich das Hollywoodkino beeinflussten.

Die Geräusche und die angedeutete Handlung des Films, den Gilderoy bearbeiten soll, entsprechen eins zu eins den Konzepten der damaligen Produktionen. Hinzu kommen jede Menge Anspielungen auf die große Ära des italienischen Horrorfilms und des Giallos (eine besondere Art des Mystery-Thrillers). Der schwarze Handschuh (ein typisches Requisit bei den Giallos) fehlt hier ebenso wenig wie die einschlägige Musik.

Die Originalität von »Berberian Sound Studio« besteht darin, dass man den eigentlichen Film, den Gilderoy vertonen soll, nicht sieht. Der Zuschauer erfährt Informationen darüber nur durch die Dialoge zwischen dem Toningenieur und den übrigen Mitarbeitern. Der Rest ergibt sich aus den Geräuschen, den intensiven Schreien und der beklemmenden Musik.

Wie bereits der Titel von Peter Stricklands zweitem Spielfilm veranschaulicht, spielt »Berberian Sound Studio« beinahe ausschließlich in einem Tonstudio. Die Beleuchtung ist minimal, Dunkelheit und tiefe Schatten überwiegen. Neben der zunehmenden Beklemmung, schafft Strickland dadurch auch noch eine klaustrophobische Enge, die zusätzlich Gilderoys Angstzustände und zunehmende Paranoia beeinflussen. – Und natürlich die des Zuschauers. Denn »Berberian Sound Studio« liefert auf diese Weise nicht nur ein intensives Filmerlebnis, sondern echten Nervenkitzel.

»Berberian Sound Studio« erhielt insgesamt 11 Auszeichnungen (u. a. in den Kategorien bester Film, bester Hauptdarsteller und beste Kameraarbeit) und war mehrfach für weitere nationale und internationale Filmpreise nominiert.
Max Pechmann
Quellen: FILM und BUCH