Nach dem Tod Ihres Manns zieht Shin-ae (Jeon Do-yeon) mit ihrem kleinen Sohn in das Städtchen von Miryang – die Ursprungsstadt Ihres Mannes. Da hofft sie auf einen neuen Anfang im Leben. Bald lernt sie den jungen Automechaniker Jong (Song Kang-Ho) kennen, und beginnt eine christliche Gemeinde zu besuchen. Aber die Götter haben dies anders entschieden…

Erschütternd. Stark emotional. Wunderschön. „Secret Sunshine“ ist ein wahres, geheimes Juwel, der zu den besten koreanischen Filmen zählt, obwohl er leider außer Südkorea nur wenig bekannt ist. Wie ein Kreuzweg erzählt der Film die Geschichte einer Frau, die vom Schicksal verdammt wurde, die alles verloren hat. Wie viel Leiden, wie viele Hürden, wie viele Schritte, bevor die Erlösung kommt – aber kann es noch eine Erlösung in dieser Welt geben? Erlösung ist tatsächlich eines der Hauptthemen des Filmes, insbesondere als sich die freundliche, christliche Gemeinde als eine fanatische Sekte herausstellt. In dieser düsten Geschichte klingt der Titel des Filmes „Geheimer Sonnenstrahl“, der eigentlich die Übersetzung des Namens der Stadt ist, eher ironisch. Aber er beschreibt auch das ständige, saturierte, weiße Licht, das jedes Bild des Filmes ausfüllt. Alles mündet in ein erschütterndes Final, eine der emotional stärksten Szenen, die überhaupt auf Film zu sehen ist.

Der Film ist zwar ein großes Melodrama in der direkten Linie von den Filmen von Douglas Sirk zum Beispiel, mischt jedoch gerne die Genres zwischen Drama, Komödie und Thriller, wie dies in koreanischen Filmen üblich ist, aber für den europäischen Zuschauer erstaunlich sein kann. Der Film hinterfragt insbesondere die Rolle der Religion und gibt hiermit ein eindrucksvolles Beispiel der Gefahren des religiösen Fanatismus.

In der Mitte des Filmes steht die unglaubliche koreanische Schauspielerin Jeon Do-Yeon, die den Film buchstäblich auf ihren Schultern trägt. Durch ihre wunderbare Leistung werden die schwierigen Themen des Filmes, Trauer, Verzweiflung, Leiden, für den Zuschauer fühlbar und auch ertragbar. Für diese Rolle wurde sie in Cannes in 2007 mit dem wohlverdienten Preis der Besten Darstellerin ausgezeichnet. Neben ihr sorgt der bekannte koreanische Schauspieler Song Kang-Ho („The Host“) für ein bisschen Leichtigkeit.

„Secret Sunshine“ weist auch zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem Werk von Lars von Trier auf, insbesondere mit „Dancer in the Dark“, mit dem er das Thema der Frau als Opfer der Welt sowie die empathische Kamera teilt, welche der Hauptschauspielerin überall in ihrem Leiden folgt.

Der Regisseur Lee Chang-Dong gehört zu den wichtigsten koreanischen Regisseuren der Neuen Koreanischen Welle, die Anfang der 2000er Jahre die Kinowelt mit Gewalt erobert hat, neben Regisseuren wie Park Chan-Wook („Sympathy for Mr Vengeance“, „Oldboy“), Boon Joon-Ho („The Host“) oder Kim Ki-Duk („Frühling, Sommer, Herbst, Winter…und Frühling“). Gemeinsam haben diese Filme einen hohen Sinn für Ästhetik, anspruchsvolle und schwierige Themen, eine omnipräsente Gewalt, die oft in Schock-Szenen kulminiert und offensichtlich mit der schweren Geschichte des Landes verbunden ist, und eine hochqualitative Regie, welche auf immer auf exzellenten Schauspieler beruht. Die Gewalt der Filme von Lee Chang-Dong ist aber eher in den Gefühlen, welche oft bis zur Hysterie geführt werden. In seinem Land feiert er großen Erfolg und hat auf den Hauptfestivals der Welt zahlreiche Preise gewonnen. Lee Chang-Dong war auch Kulturminister von Südkorea zwischen 2003 und 2004. Seine Filme sind stark emotional geprägt mit schweren Gesellschaftsthemen, wie in dem störenden „Oasis“, der eine Liebesgeschichte zwischen zwei Behinderten erzählt, oder dem schönen „Poetry“, wo sich eine an Alzheimer leidende Großmutter um ihren delinquenten Enkel kümmern muss.

Gönnen Sie sich eine gefühlsvolle Reise nach Südkorea, in die Stadt der geheimen Sonne…
Bruno Gouat