An diesem dritten Abend unseres Themenschwerpunkts über den Regisseur Thomas Stuber zeigen wir zwei mittellange Filme, die er während seiner Ausbildung an der Filmakademie Baden-Württemberg gemacht hat (siehe dazu auch den Einführungstext zum Themenschwerpunkt in diesem Heft).

Von Hunden und Pferden ist die anrührende Geschichte des älteren, arbeitslosen Rolf, dessen Hund Piet der wichtigste Freund im Leben ist. Seine Frau ist gestorben oder hat ihn verlassen. Wie innig die Beziehung ist, zeigt Thomas Stuber, indem er Piet und Rolf auf dem Teppich liegend inszeniert, der Hund hat seine Pfote auf Rolfs Brust gelegt und Rolf seine Hand auf den Hundekörper.

Doch Piet ist alt und leidet unter einer Hüftgelenkserkrankung. Der Tierarzt schlägt Schmerzmittel vor, alternativ wäre auch ein künstliches Hüftgelenk denkbar. Aber wo soll Rolf die 3000 Euro für diese Operation hernehmen? Er setzt alles, und auch sein letztes Geld, auf eine Karte: Pferdewetten. Wird er, der keine Ahnung von Pferden und Pferdewetten hat, das Glück auf seiner Seite haben?

Thomas Stuber hat diesen Film, für den er mit dem Studenten-Oscar in Silber und dem Deutschen Kurzfilmpreis geadelt wurde, in Schwarzweiß gedreht, mit harten Kontrasten, teilweise verlangsamten Bildern zu einer melancholischen Mundharmonika und einer ganz eigenen Ästhetik. Die Jury des Deutschen Kurzfilmpreises lobte 2011 genau dies als »eine Liebeserklärung an das schwarzweiße Kino von Fritz Lang bis Wim Wenders, an die Kunst, mit Licht und Schatten und harten Kontrasten zu erzählen.«

Hart zur Sache geht es in Teenage Angst, einem Spielfilm über vier Jugendliche aus reichen Elternhäusern, die in einem Elite-Internat (als Außenkulisse diente die Burg Kriebstein bei Zschopau in Sachsen) zur Schule gehen. Die vier haben sich zu einer Clique zusammengeschlossen, schleichen sich Nachts heimlich aus dem Internat, um in ihrer Laube auf einem Campingplatz zu saufen, Drogen zu nehmen und sich in Spielen um Macht und Erniedrigung zu ergehen. Als sich die Gewalt eines Nachts gegen eine unbeteiligte Dritte richtet, schreitet einer aus der Gruppe mäßigend ein und wird in der Folge selbst zum Opfer der Misshandlungen. Das Szenario erinnert an Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, der von Volker Schlöndorff 1966 unter dem Titel Der junge Törleß verfilmt wurde.

Thomas Stubers Teenage Angst lief 2008 bei den Berliner Filmfestspielen und kam im Jahr darauf auch ins Kino, wo er unterschiedlich wahrgenommen wurde. Steffen Wagner schrieb in seiner Kritik auf „festivalblog.com“: »Wenn dieser Film einen Beitrag zum Thema Jugendgewalt liefern will oder darüber wie die Erziehung von Eliten versagt, ist das gründlich misslungen. Teenage Angst führt nur ein Experiment vor, das den Zuschauer abstößt, erzählt aber keine Geschichte, die den Zuschauer berührt und zum Nachdenken bringt.«

Im „Filmdienst“-Heft der Katholischen Kirche hingegen sah Alexandra Wach in den vier Film-Jugendlichen verzogene Oberschichtkinder, die vorprogrammiert später Führungskräfte werden – Manager von Großkonzernen, Stützen der Berliner Republik: »Die faschistoide Arroganz, per Geburt der auserwählten Kaste anzugehören, dringt aus jeder Pore der erfreulich zur Höchstform auflaufenden jungen Darstellerriege (….) Mit ihren unterkühlt dunkel ausgeleuchteten, wunderschönen Kinobildern reflektiert sie (die Kamera, Anm.d.A.) wie unter einem Brennglas die klaustrophobisch enge Welt der künftigen CEOs (Vorstandsvorsitzenden, Anm. d. A.), die hinter dem Diktat des exklusiven Scheins von Designeranzügen und stilvollen Interieurs einen Abgrund primitivster Triebe verbergen.«
Klaus Peter Karger