Helle Nächte ist ein stilles, feinfühliges Drama mit eindrucksvollen Bildern und wunderbaren Schauspielern. Die Dialoge sind mehr als sparsam. Wer hier einen starken Plot erwartet, wird enttäuscht.

Michael, Bauingenieur in Berlin, erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters, der vor Jahren in die Einsamkeit Norwegens ausgewandert ist. Er überredet seinen 14jährigen Sohn Luis, ihn zur Beerdigung nach Norwegen zu begleiten. Schon vor Jahren hat sich Michael von der Familie getrennt und hatte nur sporadisch Kontakt zu Luis. Er erhofft sich einen Neuanfang durch diese Reise. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Der Umgang miteinander ist ungewohnt, von Verletzungen geprägt.

Es gibt eine fast vierminütige Szene, wo beide schweigend im Auto sitzen und durch den Nebel fahren. Die norwegische Landschaft wirkt wie ein dritter Akteur.

Michael und Luis haben nie zusammen einen Alltag entwickelt. Sie müssen versuchen, eine gemeinsame Sprache zu finden. Luis will es seinem Vater auf keinen Fall leicht machen – die Vergangenheit war zu schmerzhaft.

Wiederholt sich bei Michael etwas, was er mit seinem Vater erlebt hat? Können wir unseren Eltern entkommen, auch wenn wir nicht so sein wollen wie sie?

Helle Nächte erzählt von dem Versuch, diesen nur schwer überwindbaren Kreislauf der Wiederholungen zu durchbrechen.
Helga Eimer-Esslinger